Rothenburg als Landschaftgarten

Pittoresk: Rothenburg als Landschaftsgarten

Die Themenjahre von 2019 bis 2021

Wo? Neben dem Burggarten und dem Garten An der Eich geht es im Themenjahr „Rothenburg als Landschaftsgarten“ auch in die Privatgärten in Rothenburgs Altstadt. Sonderausstellungen im Mittelalterlichen Kriminalmuseum und im RothenburgMuseum runden das kulturelle Themenjahr ab.

Was? Die naturräumlichen Gegebenheiten und die architektonische Stadtlandschaft von Rothenburg erfüllten Ende des 19. Jahrhunderts alle Kriterien des Malerischen bzw. des Pittoresken. Die Stadt wurde derart von englischen Künstlern (Architekten und Malern) rezipiert und schlägt über das Pittoreske eine Brücke in die Moderne. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Rothenburg ob der Tauber als ein in der Zeit stehen gebliebenes mittelalterliches Kleinod wiederentdeckt. „Rothenburg ob der Tauber – Britische Sichtweisen“ zeigt 2021 im Mittelalterlichen Kriminalmuseum die Werke britischer Maler wie Elias Bancroft. Mit „Martin Monnickendam“ beginnt im April 2019 der Ausstellungsreigen. 2020 geht es dann im RothenburgMuseum mit „Selbstbild – Fremdbild – Wiederaneignung“ um den Wahrnehmungswandel in der Stadt Rothenburg.

Kurzer Fakt: Die architektonische Gesamtwirkung und die Einbettung in die Landschaft hoch über der Tauber inspirierten um 1900 namhafte Architekten der englischen und deutschen Gartenstadtbewegung. Raymond Unwinds Planungen für Hampstead Garden Suburb bei London und Richard Riemerschmids „Grüner Zipfel“ in Hellerau bei Dresden sind erkennbar von Rothenburg ob der Tauber beeinflusst.

Auf jeden Fall besuchen: Die Evangelische Tagungsstätte Wildbad im Taubertal taucht als architektonisches Musterbeispiel des Pittoresken im Programm auf: Bei einer Führung durch den denkmalgeschützten Park wird die neue Wahrnehmung von Natur und Architektur im Pittoresken erklärt.

Zudem geht es 2020/21 in die Rothenburger Privatgärten. Die Broschüre hierzu finden Sie hier.

Rothenburg ob der Tauber ist weltbekannt für seine mauerumgürtete, mittelalterliche Altstadt. Im Schnittpunkt von Romantischer Straße und Burgenstraße gelegen, zählt es im süddeutschen Raum zu den absoluten „Must See“-Orten. Käthe Wohlfahrts Weihnachtsdorf, der Rothenburger Nachtwächter, das historische Volksschauspiel „Der Meistertrunk“ sowie das Mittelalterliche Kriminalmuseum tragen viel zu dieser Ausnahmestellung bei. Das sollte doch reichen – warum also noch „Rothenburg als Landschaftsgarten“?

„Rothenburg als Landschaftsgarten“ wirft einen neuen Blick auf die Mittelalterstadt: Einen Blick der Künstler, konkret: der Maler, Schriftsteller, Architekten und sogar Städteplaner – einen malerischen, ja pittoresken Blick.
Die beiden Themenjahre 2020 und 2021 würdigen erstmals die landschaftlichen Qualitäten Rothenburgs und zeigen auf, wie viele grüne Oasen der Ruhe innerhalb und außerhalb der Stadtmauer existieren. Neben dem Burggarten, dem Klostergarten, der Rothenburger Riviera „An der Eich“, dem Landschaftspark des Wildbads und Leyks Lotos-Garten warten acht Privatgärten darauf, entdeckt zu werden. Eine 24seitige Broschüre stellt diese Rothenburger Gartenparadiese ausführlich vor und erklärt, wie sie besucht werden können (kostenfrei beziehbar unter garten@rothenburg.de).
Es ist aber nicht der pittoreske Blick in Parks und Gärten allein, der Rothenburg zum Landschaftsgarten macht. Gerade die Vielzahl an abwechslungsreichen Ansichten auf das Stadtbild, sei es aus der Ferne von der Hohenloher Ebene als wahrhaft „Fränkisches Jerusalem“ (so Caspar Bruschius bereits 1555) mit der stolzen St. Jakobskirche oder von Nah aus dem Taubertal bzw. vor einem der Stadttore oder Festungswerke, machen seit jeher den pittoresken Reiz des Stadtbilds aus. Hoch oben vom Rathausturm schweift der Blick über eine nie eintönige Dächerlandschaft mit verwinkelten Gassen, die auf Plätze als Mittelpunkte geselligen Lebens münden. Seit dem 19. Jh. faszinierte dieses verwinkelte und vielgestaltige Stadtbild Schriftsteller und Maler. Letztere verewigten bekannte Rothenburger Ensembles wie das Plönlein, den Markusturm mit Röderbogen, die Klingentorbastei, die Marienapotheke mit Georgsbrunnen sowie den Marktplatz samt Rathaus und Ratstrinkstube in zahllosen Gemälden, Zeichnungen, Stichen und später auch Fotografien. Der um 1900 geschaffene Schatz an Rothenburg Motiven lebt bis heute fort: in der Welt von Instagram & Co.

Den nicht allein touristischen Blick auf Rothenburg ob der Tauber thematisiert ab März 2020 das RothenburgMuseum. Unter dem programmatischen Titel „Pittoresk! Selbstbild – Fremdbild – Wiederaneignung“ wird eine zweijährige Sonderausstellung einen bildmächtigen Zugriff auf die Tauberstadt vom 18 Jahrhundert bis in die Gegenwart präsentieren. Repräsentative, auf die Zentralperspektive geeichte Ansichten eines Johann Friedrich Schmidt (ca. 1730 – 1785) treten in Kontrast zu Werken des Biedermeier und der Romantik. Rothenburg ob der Tauber wird seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. mal als idyllischer Rückzugsort oder als von der „neuen Zeit“ vergessenes, intakt bewahrtes Mittelalter illustriert. Neben Werken deutscher Zeichner und Maler wie Hans Thoma und Theodor Alt sind besonders viele britische Künstler vertreten: Arthur Wasse, Elias Bancroft, James Douglas und Adeline S. Illingworth. Die Ausstellung zeigt hier ein breites Spektrum an Sichtweisen von außen – von „gothic“ bis „picturesque“ – und dokumentiert mit dem Übergang ins Medium der Fotografie, wie bestimmte aus der Malerei herrührende Motive sich bereits um 1900 zu einem ikonischen Kanon verfestigten. Ein Kanon, der spätestens mit Aufkommen der Ansichtspostkarte auch Züge des Kitsches gewinnen konnte. Diesen spannenden Gegenüberstellungen von Selbstbild und Fremdbild, von Kunst und Kitsch fügt die Ausstellung den Aspekt gegenwärtiger Wiederaneignungen seitens der heutigen Stadtbevölkerung hinzu: zeitgenössische Sichtweisen auf die Stadt in Fotografie, Malerei, Sozialen Medien und im Film.

„Rothenburg ob der Tauber in London“, eine weitere Sonderausstellung im RothenburgMuseum, beleuchtet ab Mai 2020 einen bislang noch völlig unbekannten Aspekt der internationalen Ausstrahlung Rothenburgs. Vor dem Ersten Weltkrieg diente Rothenburg ob der Tauber namhaften Architekten und Stadtplanern als Musterbeispiel einer organisch gewachsenen, in seinen Bauensembles harmonisch gefügten Mittelalterstadt. Gegen die Reißbrettplanungen moderner Städte mit ihren planen Straßenverläufen und auf ökonomische Effizienz getrimmten Wohnquartieren plädierten Stadtplaner wie der Österreicher Camillo Sitte (1843 – 1903) für eine „malerische“, das menschliche Maß achtende Stadtarchitektur. Sittes „Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen“ (1889) räumte u.a. Rothenburg odT die Rolle eines prominenten Beispiels ein. Die Stadt wurde in der Architektenszene als Musterbeispiel des malerischen (pittoresken) Architekturstils rezipiert und fand so auch Eingang in Diskussionen der englischen und deutschen Gartenstadtbewegung. Die Planer und Architekten der Gartenstadt Hampstead Garden Suburb in Nord-London (ab 1907) übernahmen von Rothenburg ob der Tauber nicht allein einzelne Architekturmotive wie Dachformen, Laubengänge und Treppenaufgänge, sondern bauten auch die Stadtmauer als „Great Wall with its Germanic Towers“ als Abgrenzung von der Hampstead Heath quasi analog zum Taubertal nach. Ebenso fanden Motive Rothenburgs auch Eingang in Richard Riemerschmids Bauten „Am Grünen Zipfel“ in der ersten deutschen Gartenstadt Hellerau bei Dresden (ab 1909). Vor dem Ersten Weltkrieg wird Rothenburg ob der Tauber in der Architekturdiskussion fassbar als Beispiel einer pittoresken Moderne im klaren Gegensatz zur späteren Bauhaus-Moderne. Doch so wie die Bauhaus-Moderne sich bis ins 21. Jh. weiterentwickelt hat, so hat auch der malerische Architekturstil neue Ausprägungen erfahren (bspw. Frank O. Gehry, Daniel Libeskind) und die Idee der Gartenstädte darf angesichts der Unwirtlichkeit mancher Städte gleichfalls neue Bedeutung beanspruchen.

Gärten, Malerei und Architektur – dies sind die Ingredienzien von „Pittoresk – Rothenburg ob der Tauber als Landschaftsgarten“ 2020 und 2021. Erleben Sie diese vielfältigen Facetten bei Führungen durch Privatgärten, malerischen Spaziergängen durch die Stadt mit Rothenburger Gästeführerinnen, im Landschaftspark des Wildbades sowie im Kontext eindrucksvoller Sonderausstellungen im RothenburgMuseum. Ab Mai 2021 ergänzt das Mittelalterliche Kriminalmuseum den Themenkomplex mit der Ausstellung „Rothenburg on the Tauber – Britische Sichtweisen“.

»Pittoresk! Selbstbild – Fremdbild – Wiederaneignung«
Sonderausstellung 2020/2021 in der Galerie des RothenburgMuseums
Ausstellungsdauer: 7. März 2020 bis 31. Dezember 2021
Öffnungszeiten: April bis Oktober 9:30–17:30 Uhr und November bis März 13–16 Uhr
Eintrittspreise: Erwachsene 8 €; Gruppen ab 10 Personen (p. P.) 5 €
Kontakt: RothenburgMuseum | Klosterhof 5 | 91541 Rothenburg o. d. T.
Tel. +49 9861 939043 | museum@rothenburg.de | www.rothenburgmuseum.de

»Rothenburg in London – Einflüsse auf die Gartenstadtbewegung?«
Sonderausstellung 2020/2021 im Refektorium des RothenburgMuseums
Ausstellungsdauer: 10. Mai 2020 bis 31. Dezember 2021
Öffnungszeiten: Mai bis Oktober 9:30–17:30 Uhr, November bis März 13–16 Uhr
Eintrittspreise: Erwachsene 8 €; Gruppen ab 10 Personen (p. P.) 5 €
Kontakt: RothenburgMuseum | Klosterhof 5 | 91541 Rothenburg o. d. T.
Tel. +49 9861 939043 | museum@rothenburg.de | www.rothenburgmuseum.de

»Rothenburg on the Tauber – Britische Sichtweisen«
Sonderausstellung 2021 in der Johanniterscheune des
Mittelalterlichen Kriminalmuseums
Ausstellungsdauer: 1. Mai 2021 bis Oktober/Dezember 2021
Öffnungszeiten: April bis Oktober 10–18 Uhr und November bis März 13–16 Uhr
Eintrittspreise: Erwachsene 7,50 €; Gruppen ab 20 Personen (p. P.) 6,50 €
Kontakt: Mittelalterliches Kriminalmuseum | Burggasse 3–5 | 91541 Rothenburg o. d. T.
Tel. +49 9861 5359 | info@kriminalmuseum.eu | www.kriminalmuseum.eu

Themenführung »Malerisches Rothenburg«
Frau Däschner, Frau Rohn und Frau Nakamura entführen Sie in die Zeit, als Rothenburg o. d. T. eine Künstlerkolonie und ein Ort ländlicher Bohéme war. Es waren Maler, die die Stadt entdeckten und einer breiteren Öffentlichkeit im Ausgang des 19. Jahrhunderts bekannt machten. An Originalschauplätzen werden Sie anhand von Reproduktionen ausgewählter Maler sehen, wie die Ansichten sich gleichen oder sich inzwischen gewandelt haben. Versteckte Gärten und malerische Ausblicke ins Taubertal werden mit einem Rahmen eingefangen. Diese Führung ist begleitend zu den Sonderausstellungen der Rothenburger Museen zum Pittoresken, zu britischen Künstlern und Aspekten des Landschaftsgartens konzipiert.
Dauer: 1,5 h | Preis pro Gruppe (max. 15 Personen): 95 € (deutsch), 110 € (englisch)
Führung nach Vereinbarung und in Vermittlung über den Rothenburg Tourismus Service

Gartenführungen durch die Parkanlage des Wildbads
Nicht allein die Architektur des von 1894 bis 1903 errichteten Wildbads ist Ausdruck des malerischen Stils um 1900, auch die Parkanlagen laden dazu ein, einen der schönsten Landschaftsgärten Rothenburgs zu entdecken. Buchen Sie doch einfach eine Gartenführung, lassen Sie die Seele beim Picknick baumeln oder betätigen Sie sich sportlich auf der historischen Kegelbahn.
Preis: Die Parkführung kostet bei maximal 30 Pers. 70 € (45 Min.), das individuelle Picknick 25 € je Person und das Kegelabenteuer 25 €/h.
Alle Angebote buchbar nach Vereinbarung
Wildbad Rothenburg ob der Tauber, Evangelische Tagungsstätte KdöR
Taubertalweg 4 | 91541 Rothenburg o. d. T. | Tel. +49 9861 977-0 | www.wildbad.de

Exklusive Führungen durch Rothenburger Privatgärten
Nur nach Voranmeldung unter garten@rothenburg.de Zu dem Thema ist eine 24seitige Broschüre erschienen, die kostenlos beim Rothenburg Tourismus Service bestellt werden kann:
Rothenburg Tourismus Service
Marktplatz 2 D-91541 Rothenburg ob der Tauber T. + 49 (0) 9861/404-800 Fax + 49 (0) 9861/404-529 garten@rothenburg.de

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