Rothenburg in London

Rothenburg in London

Sonderausstellung „Rothenburg ob der Tauber in London“ im RothenburgMuseum (19. September 2020 - 31. Dezember 2021)

„Rothenburg ob der Tauber in London“ lautet der Name der Sonderausstellung im RothenburgMuseum, die ab 19. September 2020 einen bislang noch völlig unbekannten Aspekt der internationalen Ausstrahlung Rothenburgs beleuchtet. Vor dem Ersten Weltkrieg diente Rothenburg ob der Tauber namhaften Architekten und Stadtplanern als Musterbeispiel einer organisch gewachsenen, in seinen Bauensembles harmonisch gefügten Mittelalterstadt. Gegen die Reißbrettplanungen moderner Städte mit ihren planen Straßenverläufen und auf ökonomische Effizienz getrimmten Wohnquartieren plädierten Stadtplaner wie der Österreicher Camillo Sitte (1843 – 1903) für eine „malerische“, das menschliche Maß achtende Stadtarchitektur. Sittes „Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen“ (1889) räumte u.a. Rothenburg odT die Rolle eines prominenten Beispiels ein.

Nach dem Brexit, dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zum 1. Februar 2020, wirft die Ausstellung zudem einen Blick auf die engen Verbindungen zwischen dem deutschen Kaiserreich und dem britischen Empire vor dem Ersten Weltkrieg – hier auf der fachlichen Ebene der Architekten. Der nationenübergreifende Austausch wird zum bereichernden Element.

Die Stadt Rothenburg ob der Tauber wurde in der Architektenszene als Musterbeispiel des malerischen (pittoresken) Architekturstils rezipiert und fand so auch Eingang in Diskussionen der englischen und deutschen Gartenstadtbewegung. Die Planer und Architekten der Gartenstadt Hampstead Garden Suburb in Nord-London (ab 1907) übernahmen von Rothenburg ob der Tauber nicht allein einzelne Architekturmotive wie Dachformen, Laubengänge und Treppenaufgänge, sondern bauten auch die Stadtmauer als „Great Wall with its Germanic Towers“ als Abgrenzung von der Hampstead Heath quasi analog zum Taubertal nach. Ebenso fanden Motive Rothenburgs auch Eingang in Richard Riemerschmids Bauten „Am Grünen Zipfel“ in der ersten deutschen Gartenstadt Hellerau bei Dresden (ab 1909). Vor dem Ersten Weltkrieg wird Rothenburg ob der Tauber in der Architekturdiskussion fassbar als Beispiel einer pittoresken Moderne im klaren Gegensatz zur späteren Bauhaus-Moderne. Doch so wie die Bauhaus-Moderne sich bis ins 21. Jh. weiterentwickelt hat, so hat auch der malerische Architekturstil neue Ausprägungen erfahren (bspw. Frank O. Gehry, Daniel Libeskind) und die Idee der Gartenstädte darf angesichts der Unwirtlichkeit mancher Städte gleichfalls neue Bedeutung beanspruchen.

Welche Details wurden konkret nachgebaut? Diese Inhalte finden Sie im Podcast von Bernd Heisel.

AB DEM 2.11.2020 BLEIBT DAS MUSEUM GEMÄSS DER BESTIMMUNGEN VOM 28.10.2020 GESCHLOSSEN

»Rothenburg in London – Einflüsse auf die Gartenstadtbewegung?«
Sonderausstellung 2020/2021 im Refektorium des RothenburgMuseums
Ausstellungsdauer: 19. September 2020 bis 31. Dezember 2021

Öffnungszeiten: Mai bis Oktober 10:00 –16:00 Uhr, November bis März 13–16 Uhr

Eintrittspreise: Erwachsene 5 €

Kontakt: RothenburgMuseum | Klosterhof 5 | 91541 Rothenburg o. d. T.

Tel. +49 9861 939043 | museum@rothenburg.de | www.rothenburgmuseum.de

Pittoresk: Rothenburg als Landschaftsgarten – Die Themenjahre 2020 und 2021

Rothenburg ob der Tauber ist weltbekannt für seine mauerumgürtete, mittelalterliche Altstadt. Im Schnittpunkt von Romantischer Straße und Burgenstraße gelegen, zählt es im süddeutschen Raum zu den absoluten „Must See“-Orten. Käthe Wohlfahrts Weihnachtsdorf, der Rothenburger Nachtwächter, das historische Volksschauspiel „Der Meistertrunk“ sowie das Mittelalterliche Kriminalmuseum tragen viel zu dieser Ausnahmestellung bei. Das sollte doch reichen – warum also noch „Rothenburg als Landschaftsgarten“?

„Rothenburg als Landschaftsgarten“ wirft einen neuen Blick auf die Mittelalterstadt: Einen Blick der Künstler, konkret: der Maler, Schriftsteller, Architekten und sogar Städteplaner – einen malerischen, ja pittoresken Blick.

Die beiden Themenjahre 2020 und 2021 würdigen erstmals die landschaftlichen Qualitäten Rothenburgs und zeigen auf, wie viele grüne Oasen der Ruhe innerhalb und außerhalb der Stadtmauer existieren. Neben dem Burggarten, dem Klostergarten, der Rothenburger Riviera „An der Eich“, dem Landschaftspark des Wildbads und Leyks Lotos-Garten warten acht Privatgärten darauf, entdeckt zu werden. Eine 24seitige Broschüre stellt diese Rothenburger Gartenparadiese ausführlich vor und erklärt, wie sie besucht werden können (kostenfrei beziehbar unter garten@rothenburg.de).

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