Jüdisches Rothenburg
Auf den Spuren jüdischer GeschichteDie Geschichte Rothenburgs ob der Tauber ist eng mit der Geschichte jüdischen Lebens in der Stadt verbunden. Bereits im Mittelalter entstand hier eine bedeutende jüdische Gemeinde. Heute erinnern historische Orte, die Judengasse, die erhaltene Mikwe, das RothenburgMuseum und Stolpersteine an die jüdische Geschichte Rothenburgs – an kulturelle Blütezeiten ebenso wie an Verfolgung, Vertreibung und die Zerstörung jüdischen Lebens.
Jüdisches Leben im mittelalterlichen Rothenburg
Die erste Erwähnung eines Juden in Rothenburg stammt aus dem Jahr 1180. Eine besondere Bedeutung erlangte die Stadt im 13. Jahrhundert durch Rabbi Meir ben Baruch von Rothenburg (um 1220–1293), einen der bedeutendsten jüdischen Gelehrten des Mittelalters. Mehr als 40 Jahre wirkte er in Rothenburg und gründete am heutigen Kapellenplatz eine Jeschiwa, eine Schule für Talmud-Studien. Seine Lehre zog Schüler aus verschiedenen Teilen Europas an. Eine Bronzetafel am Kapellenplatz erinnert heute an Rabbi Meir von Rothenburg.
Das Zentrum der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde befand sich rund um den heutigen Kapellenplatz. Später verlagerte sich das jüdische Leben in Richtung Judengasse. Dort lebten jüdische und christliche Einwohner Tür an Tür.
Judengasse und Mikwe
Ein besonders eindrucksvolles Zeugnis jüdischer Geschichte ist die Judengasse. Sie trägt ihren Namen bereits seit 1371 und besitzt einen außergewöhnlichen Bestand an spätmittelalterlichen Fachwerkhäusern.
Im Haus Judengasse 10 befindet sich eine historische Mikwe, ein jüdisches Ritualbad, das auf das Jahr 1409 datiert wird. Das Mikwenhaus wurde umfassend restauriert und ist im Rahmen entsprechender Führungen zugänglich. Im RothenburgMuseum befindet sich zudem ein Nachbau der Mikwe.
Damit wird jüdische Geschichte in Rothenburg nicht nur anhand von Dokumenten erzählt: Sie lässt sich an den historischen Orten der Altstadt unmittelbar nachvollziehen.
Verfolgung, Vertreibung und Neubeginn
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Rothenburgs war jedoch nicht nur von kultureller Blüte geprägt. Immer wieder kam es zu Verfolgung und Ausgrenzung. 1520 wurde Juden der Aufenthalt in Rothenburg vollständig verboten; die noch in der Stadt lebenden jüdischen Menschen mussten die Stadt verlassen. Synagoge und jüdischer Friedhof wurden später eingeebnet.
Erst 350 Jahre später, ab 1870, siedelten sich wieder jüdische Familien in Rothenburg an. Auch diese jüdische Gemeinde wurde während der Zeit des Nationalsozialismus zerstört. Noch vor der Pogromnacht im November 1938 wurden jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Rothenburg vertrieben. Innerhalb weniger Jahre war das jüdische Gemeindeleben in der Stadt ausgelöscht.
Jüdische Geschichte im RothenburgMuseum
Das RothenburgMuseum bewahrt zahlreiche Zeugnisse jüdischen Lebens in Rothenburg. In der Judaica-Sammlung sind unter anderem mittelalterliche jüdische Grabsteine aus dem 13. und 14. Jahrhundert sowie Ritualgegenstände zu sehen. Zu den besonderen Objekten zählen ein Siegeltypar der jüdischen Gemeinde aus dem Jahr 1410 und ein Chanukkaleuchter.
Die Sammlung macht deutlich, dass jüdische Geschichte ein wesentlicher Bestandteil der Stadtgeschichte Rothenburgs ist und weit über einzelne historische Gebäude hinausreicht.
Erinnerungsorte in der Altstadt
Auch im heutigen Stadtbild finden sich Spuren jüdischer Geschichte. Im Bereich des ehemaligen jüdischen Friedhofs am heutigen Schrannenplatz wurden Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche mittelalterliche Grabsteine entdeckt. Weitere Erinnerungsorte befinden sich unter anderem am Kapellenplatz und im Bereich der Judengasse.
Seit 2013 erinnern außerdem Stolpersteine an jüdische Menschen aus Rothenburg, die während der Zeit des Nationalsozialismus vertrieben, deportiert und ermordet wurden oder sich das Leben nahmen. Die kleinen Gedenksteine befinden sich vor den ehemaligen Wohnhäusern und bringen die Namen und Lebensgeschichten der Verfolgten zurück in das heutige Stadtbild.
Jüdisches Rothenburg entdecken
Wer sich auf die Spuren des jüdischen Rothenburgs begibt, kann Geschichte an verschiedenen Orten der Altstadt erleben. Zu den wichtigsten Stationen gehören die Judengasse mit der Mikwe, der Kapellenplatz mit der Erinnerung an Rabbi Meir ben Baruch, das RothenburgMuseum mit seiner Judaica-Sammlung sowie die Stolpersteine.
Führungen und digitale Informationsangebote ermöglichen dabei einen vertieften Einblick in die Geschichte jüdischen Lebens in Rothenburg. Mehrsprachige Informationstafeln mit QR-Codes sowie weitere Angebote machen die jüdische Stadtgeschichte auch individuell erlebbar.
Jüdisches Rothenburg steht damit für eine Geschichte, die von Gelehrsamkeit und kulturellem Leben, aber auch von Ausgrenzung, Verfolgung und Erinnerung erzählt. Wer Rothenburgs Vergangenheit umfassender verstehen möchte, sollte diese historischen Spuren bei einem Rundgang durch die Altstadt nicht auslassen.
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Herrngasse 21, 91541 Rothenburg ob der Tauber
The Jewish community, newly founded in 1875, initially established a prayer hall and a mikveh.
Judengasse 10, 91541 Rothenburg ob der Tauber
Die Judengasse 10 ist ein außergewöhnliches Kulturdenkmal in Rothenburg ob der Tauber mit einer historischen Mikwe im Keller.
Galgengasse , 91541 Rothenburg ob der Tauber
The banquet hall at the corner of Judengasse and Weißer Turm—known as the “Judentanzhaus”—still serves as a reminder of the community.
Wiesenstraße 7, 91541 Rothenburg ob der Tauber
The New Jewish Cemetery, located at the corner of Wiesenstraße and Würzburger Straße, was in use from 1899 to 1938.
Klosterhof 5, 91541 Rothenburg ob der Tauber
Museum in the former Dominican convent dedicated to the history of the formerly free imperial city of Rothenburg ob der Tauber